Do Kwon, der Gründer des gescheiterten Terra/Luna-Ökosystems, wurde wegen Kryptowährungsbetrugs, der zu einem geschätzten Schaden von rund 40 Milliarden US-Dollar führte, zu 15 Jahren Haft verurteilt. Seine Geschichte ist eine Mischung aus technologischem Ehrgeiz, extremem Selbstvertrauen und einer langen Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden, die schließlich vor einem Bundesgericht in den Vereinigten Staaten endete.
Festnahme und internationale Verfolgung
Kwon wurde am 23. März 2023 in Podgorica, Montenegro, festgenommen, als er versuchte, mit gefälschten Ausweispapieren nach Dubai zu fliegen. Nach dem spektakulären Absturz von TerraUSD und des LUNA-Tokens im Mai 2022, der eine weltweite Vertrauenskrise im Kryptowährungsmarkt auslöste, wurde gegen Kwon ein internationaler Haftbefehl von Interpol erlassen.
Er blieb viele Monate untergetaucht und pendelte zwischen asiatischen und europäischen Ländern. Nach seiner Festnahme stellten sowohl die Vereinigten Staaten als auch Südkorea Auslieferungsanträge. Schließlich, nach mehr als zwei Jahren Verfahren und Haft in Montenegro, wurde seine Auslieferung an die USA Ende 2024 genehmigt.
Anklagepunkte und Vereinbarung zur Strafmilderung
Nach seiner Überstellung in die Vereinigten Staaten wurde Do Kwon in neun Anklagepunkten auf Bundesebene angeklagt, darunter Wertpapierbetrug, Überweisungsbetrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. Ihm drohte eine Gesamtfreiheitsstrafe von bis zu 135 Jahren.
Die Staatsanwaltschaft warf ihm insbesondere vor, Investoren über die Stabilität von TerraUSD, einem algorithmischen „Stablecoin“, getäuscht zu haben, dessen Wechselkurs entgegen öffentlichen Erklärungen angeblich künstlich durch geheime Transaktionen mit einem externen Handelsunternehmen aufrechterhalten wurde.
Im August 2025 erzielte Kwon eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft und bekannte sich in zwei zentralen Anklagepunkten schuldig: Verschwörung zum Betrug und Telekommunikationsbetrug. Dadurch wurde ein vollständiger Prozess vermieden.
Prozess und Urteil
Der Prozess war ursprünglich für Anfang 2026 angesetzt, doch der Abschluss einer Vereinbarung über ein Geständnis beschleunigte das Verfahren erheblich. Am 11. Dezember 2025 verkündete Richter Paul A. Engelmayer im US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York das Urteil.
In einem Schreiben an das Gericht entschuldigte sich Do Kwon bei den Opfern und übernahm die volle Verantwortung für einen der größten Kursstürze in der Geschichte des Kryptowährungsmarktes. Die Verluste waren dabei höher als beim Zusammenbruch von FTX oder dem OneCoin-Skandal. Er erklärte sich außerdem bereit, auf rund 19 Millionen US-Dollar und weitere Vermögenswerte zu verzichten.
Das Gericht wies den Antrag der Verteidigung auf eine fünfjährige Haftstrafe in Südkorea mit Verweis auf das enorme Ausmaß des Schadens und die weltweite Zahl der Opfer zurück. Kwon wurde schließlich zu 15 Jahren Haft verurteilt.
Folgen für den Kryptowährungsmarkt
Das Urteil im Fall Do Kwon wird weithin als symbolisches Ende der Ära der Straflosigkeit für sogenannte „Krypto-Könige“ angesehen. Die Verluste aus dem Zusammenbruch von Terra/Luna, die auf 40 bis 60 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, lösten einen Dominoeffekt aus und trugen zum Konkurs zahlreicher Kryptowährungsunternehmen bei.
Die in Montenegro verbrachte Zeit in Haft (etwa 17 Monate) wird auf seine Strafe angerechnet. Nach Verbüßung von mindestens der Hälfte seiner Strafe kann er nach Südkorea überstellt werden, wo ihm möglicherweise weitere strafrechtliche Verfahren drohen.
Für Investoren ebnet der Fall den Weg für weitere zivilrechtliche Ansprüche, und für den Technologiemarkt sendet er ein klares Signal, dass Finanzinnovationen nicht außerhalb des Rahmens des Gesetzes funktionieren.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.
Der aktuelle Stand der Rechtslage ist der 8. Januar 2025 .
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