Die Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher ist ein letztes Mittel zur Eintreibung von Schulden. In manchen Fällen können die Maßnahmen des Gerichtsvollziehers fehlerhaft sein und dem Schuldner Schaden zufügen.

Fehler des Gerichtsvollziehers – was kann schiefgehen?

Die Vollstreckung durch Gerichtsvollzieher ist ein formalisierter Prozess, der die Einhaltung einer Reihe geltender Vorschriften durch den Gerichtsvollzieher erfordert. Häufige Fehler sind:

  • Beschlagnahme von Eigentum Dritter: Ein Gerichtsvollzieher beschlagnahmte und versteigerte Eigentum, das nicht dem Schuldner, sondern einem Familienmitglied oder einer anderen Person gehörte.
  • Beschlagnahme von Gegenständen, die von der Vollstreckung ausgenommen sind: Bestimmte Gegenstände sind gesetzlich von der Vollstreckung durch Gerichtsvollzieher ausgenommen (z. B. Haushaltsgeräte, die für den täglichen Gebrauch notwendig sind).
  • Falsche Feststellung der Schuldenhöhe: Der Gerichtsvollzieher hat Vermögenswerte beschlagnahmt, deren Wert die tatsächliche Schuld übersteigt.
  • Falsche Bewertung des Vermögens: Der Gerichtsvollzieher hat den Wert des beschlagnahmten Vermögens unterschätzt, was dazu führte, dass der Schuldner einen geringeren Betrag aus dem Verkauf erhielt.
  • Vollstreckung aufgrund eines ungültigen Vollstreckungstitels: Die Schuld wurde beglichen oder der Vollstreckungstitel wurde aus einem anderen Grund ungültig, der Gerichtsvollzieher leitete aber dennoch die Vollstreckung ein.

Welche Rechte hat der Schuldner im Falle einer mangelhaften Vollstreckung?

Sind die Handlungen des Gerichtsvollziehers fehlerhaft, hat der Schuldner das Recht, gemäß Artikel 767 der Zivilprozessordnung beim zuständigen Amtsgericht Beschwerde gegen die Handlungen des Gerichtsvollziehers einzulegen. Die Beschwerde muss innerhalb von sieben Tagen nach Kenntnisnahme der Handlung durch den Schuldner eingereicht werden. Es ist jedoch zu beachten, dass eine Beschwerde die Vollstreckung nicht aussetzt. Das Gericht kann jedoch auf Antrag des Schuldners, der zusammen mit der Beschwerde eingereicht wird, die Vollstreckung aussetzen.

Entschädigung für Fehler des Gerichtsvollziehers

Verursacht ein Fehler des Gerichtsvollziehers einen Schaden, hat der Schuldner Anspruch auf Schadensersatz. Laut Gesetz haftet ein Gerichtsvollzieher für Schäden, die durch eine rechtswidrige Handlung oder Unterlassung entstehen .

Um eine Entschädigung zu erhalten, müssen Sie drei Schlüsselelemente nachweisen:

  • Schaden – Der Schaden muss dokumentiert werden, z. B. durch Rechnungen für die Reparatur beschädigter Gegenstände, Wertgutachten von versteigerten Gegenständen oder Sachverständigengutachten.
  • Vorgehen des Gerichtsvollziehers – Es muss nachgewiesen werden, dass der Gerichtsvollzieher einen Fehler begangen hat, z. B. indem er von der Vollstreckung ausgeschlossenes Eigentum beschlagnahmt hat.
  • Kausaler Zusammenhang – Es muss nachgewiesen werden, dass der Schaden durch das Handeln des Gerichtsvollziehers verursacht wurde.

Wie reiche ich einen Entschädigungsantrag ein?

Ein Anspruch auf Entschädigung sollte bei Gericht eingereicht werden, das den Fall im Rahmen eines Zivilverfahrens verhandelt. Bevor man Klage erhebt, lohnt es sich, eine gütliche Einigung anzustreben und dem Gerichtsvollzieher eine Entschädigungsaufforderung zukommen zu lassen.

Wo kann ich Hilfe suchen?

Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen durch das Handeln eines Gerichtsvollziehers Schaden entstanden ist, können Sie sich an folgende Stelle wenden:

  • Ein Rechtsanwalt, spezialisiert auf Zivil- und Vollstreckungsrecht.
  • Der Ombudsmann , der in Ihrem Fall eingreifen kann.
  • Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Schutz der Rechte von Verbrauchern und Schuldnern befassen.

Zusammenfassung

Die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen wegen Fehlern eines Gerichtsvollziehers erfordert fundierte Kenntnisse des Vollstreckungsrechts und des Zivilprozessrechts. Es ist unerlässlich, den Schaden detailliert zu dokumentieren und einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Handlungen des Gerichtsvollziehers und dem entstandenen Schaden nachzuweisen . Fehlt einer dieser Nachweise, kann die Klage abgewiesen werden.

Ein mangelhaft durchgeführtes Vollstreckungsverfahren stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Eigentumsrechte der Bürger dar. Daher ist die systematische Überwachung der Maßnahmen des Gerichtsvollziehers und die Kenntnis der eigenen Rechte von entscheidender Bedeutung. In komplexen Fällen ist die Hinzuziehung eines professionellen Vertreters, beispielsweise eines Rechtsanwalts oder Rechtsberaters, dringend zu empfehlen.


Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.
Der aktuelle Stand der Rechtslage ist der 10. September 2025.

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