Angesichts der verstärkten regulatorischen Kontrolle des Kryptowährungsmarktes infolge des Zusammenbruchs von TerraUSD, einem umstrittenen Stablecoin, der angeblich für immer einen US-Dollar wert sein sollte, stießen die Kritiken von Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, am vergangenen Wochenende in einem Interview mit dem niederländischen Fernsehen auf besonders starke Resonanz. Sie erklärte darin, Bitcoin und andere Kryptowährungen seien „wertlos“, da es ihrer Meinung nach „keinen zugrunde liegenden Vermögenswert gibt, der als Sicherheit dient“. Bereits zuvor hatte Lagarde ihre Bedenken hinsichtlich der Nutzung von Kryptowährungen geäußert, da die Transaktionsvolumina vom Rubel zu Stablecoins – an bestimmte Vermögenswerte gekoppelte Kryptowährungen – und von Stablecoins zu anderen digitalen Vermögenswerten steigen.
Während Kryptowährungen stark an Wert verloren haben – Bitcoin hat seit seinem Höchststand im November mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt –, betonte Lagarde den Mangel an globalen Regulierungen zum Schutz unerfahrener Anleger, die hohe Summen in digitale Vermögenswerte investieren. Sie äußerte ihre Sorge um diejenigen, die „die Risiken nicht verstehen, alles verlieren und bitter enttäuscht sein werden.“.
Präsidentin Lagardères Haltung gegenüber der Kryptoindustrie, die anfällig für legale Geldwäsche und andere Finanzkriminalität sei, hat sie bereits zuvor zum Ausdruck gebracht – vor einigen Wochen wies sie darauf hin, dass einige Russen und russische Unternehmen den Kryptowährungsmarkt nutzen, um die vom Westen verhängten Sanktionen zu umgehen.
Gleichzeitig verwies sie auf das digitale Euro-Projekt der Europäischen Zentralbank als Alternative, dessen Umsetzung innerhalb der nächsten vier Jahre erwartet wird und das eine stabilere Alternative zu Kryptowährungen bieten soll. Auch andere globale Banken arbeiten an ähnlichen Lösungen.
Laut Lagarde würde sich ein digitaler Euro „deutlich von privaten Kryptowährungen unterscheiden“. Sie betonte, dass die EZB ab dem Tag der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung dahinterstehen und diese sich von bisher bekannten virtuellen Währungen unterscheiden werde. Digitale Zentralbankwährungen – also Kryptowährungen, die von Zentralbanken betrieben werden – seien als „Anker“ notwendig, um Vertrauen in Stablecoins aufzubauen.
Der von Lagarde erwähnte digitale Euro ist eine von mehreren digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs), die sich derzeit in der Entwicklung befinden.
Die Bank von England und die US-amerikanische Federal Reserve arbeiten unter anderem ebenfalls an einer digitalen Währung. Mehrere kleine karibische Länder haben bereits eigene virtuelle Währungen eingeführt. Unter den großen Volkswirtschaften ist China bei der Umsetzung seines CBDC-Projekts am weitesten fortgeschritten. Derzeit wird der digitale Yuan in mehreren Städten, darunter Shanghai, Shenzhen und Xi’an, getestet. Auch die Olympischen Winterspiele in Peking dienten als Testfeld für dieses Projekt: Täglich wurden CBDC-Transaktionen im Wert von 315.000 US-Dollar abgewickelt.
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