Alternativen zu amerikanischen Handelssystemen – was bringt die Zukunft der Finanztechnologien?
Das moderne transkontinentale Transaktionssystem basiert auf dem amerikanischen SWIFT-System. Dies stellt europäische Unternehmen, die Zahlungsdienstleistungen anbieten, vor erhebliche Herausforderungen, beispielsweise bei der Entwicklung von Lösungen für Kunden, die Transaktionen in Ländern durchführen möchten, die US-Sanktionen unterliegen, aber nicht unter die EU-Sanktionen fallen, wie etwa Kuba. Auch für große Unternehmen, die schnelle internationale Überweisungen benötigen, ergeben sich dadurch erhebliche Transaktionsbeschränkungen. Überweisungen über das SWIFT-Netzwerk können bis zu fünf Werktage und mitunter länger dauern.
Der Gemeinsame Umfassende Aktionsplan (JCPoA) und seine Anforderungen an INSTEX erforderten eine Alternative zu SWIFT. Obwohl das neue Zahlungssystem derzeit Frankreich, Großbritannien, Deutschland und anderen EU-Ländern den Handel mit dem Iran ermöglichen soll, ist zu erwarten, dass es in den kommenden Jahren weiterentwickelt und an die Bedürfnisse europäischer Zahlungsdienstleister angepasst wird, um unabhängig vom amerikanischen Netzwerk zu agieren. Besonders bemerkenswert ist, dass keine europäischen Banken eine Beteiligung an INSTEX planen. Dies eröffnet die Möglichkeit, völlig andere Transaktionsstandards als die derzeit geltenden zu entwickeln. Es lässt sich zudem vermuten, dass die Grundlagen des neuen Zahlungssystems einen Wandel im Umgang mit Banken ankündigen könnten, der auf die zunehmenden Diskussionen über staatliche digitale Währungen (voraussichtlich unter Zentralbanken) zurückzuführen ist. Zweifellos befeuern die drohende Wirtschaftskrise nach der Covid-19-Pandemie und die Angst vor einem erneuten „ Big-to-Fail“ . Es ist darauf hinzuweisen, dass die finanziellen Folgen der von der polnischen Finanzaufsichtsbehörde vorgeschlagenen Vereinbarung zwischen Banken und Schweizer Franken-Kreditnehmern im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und den neuen Anforderungen des CRD 5/CRR II-Pakets für die Banken noch nicht vollständig absehbar sind.
Virtuelle Währungen, darunter das Ripple-Netzwerk mit seinem Echtzeit-Abwicklungsprotokoll (RTXP) im RippleNet-Netzwerk, stellen eine naheliegende Alternative zu den oben genannten dar und könnten ein praktikables Transaktionsinstrument für Zahlungsdienstleister sein. Da es in diesem Bereich jedoch noch keine Regulierung gibt, birgt die Nutzung eines auf diesem Netzwerk basierenden Transaktionssystems gewisse rechtliche Risiken für die beteiligten Institutionen. Die funktionalen Merkmale des Netzwerks, wie beispielsweise xRapid (für internationale Transaktionen und die gleichzeitige Umwandlung von Fiatgeld in die Kryptowährung XRP), xCurrent (für die sofortige Abwicklung und Nachverfolgung von Zahlungen zwischen RippleNet-Netzwerkmitgliedern) und xVia (dank seiner API-basierten Architektur ermöglicht es Banken, Transaktionen über andere Partner im RippleNet-Netzwerk abzuwickeln), ermöglichen jedoch einen erfolgreichen Einsatz im polnischen Rechtsumfeld. Diese Lösung hat sich im polnischen Finanzmarkt bisher noch nicht flächendeckend durchgesetzt, vermutlich aufgrund von Bedenken hinsichtlich regulatorischer Auflagen. Banken wie Standard Chartered, RBC, SBI und Axis sind bereits Partnerschaften mit Ripple eingegangen. Bereits im Januar dieses Jahres gab die Axis Bank bekannt, dass ihre RippleNet-Verbindung zu Standard Chartered und der RakBank in den Vereinigten Arabischen Emiraten betriebsbereit ist. Angesichts der aktuellen regulatorischen Entwicklungen und des Vorgehens wichtiger globaler Akteure ist in naher Zukunft mit einem grundlegenden Wandel im Umgang der Aufsichtsbehörden mit virtuellen Währungen zu rechnen. Dies steht in keinem Zusammenhang mit nationalen, sondern vielmehr mit europäischen Regulierungen und der globalen Lage infolge der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Krise. Die daraus resultierenden Kostensenkungen erfordern den Einsatz kostengünstigerer, schnellerer und kundenorientierterer Lösungen. Angesichts des vergleichsweise intensiven Wettbewerbs auf dem europäischen Zahlungsverkehrsmarkt bedeutet dies, dass die Aufsichtsbehörden alternative Lösungen künftig ebenfalls bevorzugen werden, sofern diese die Sicherheits- und Compliance-Standards erfüllen. Natürlich gibt es neben dem amerikanischen SWIFT-System noch andere Zahlungsnetzwerke (z. B. SEPA, lokal für den EU-Markt, CIPS – China, SPFS – Russland), aber aus der Sicht der Probleme eines modernen europäischen Zahlungsinstituts sind sie irrelevant, da sie das Problem der effizienten Abwicklung internationaler/transeuropäischer Transaktionen nicht lösen.
Die Nutzung neuartiger Zahlungsnetzwerke stellt sowohl für Staaten als auch für Zahlungsinstitute einen Durchbruch im Zahlungsverkehr dar und ermöglicht die Einführung neuer Marktstandards (z. B. Überwachung von Überweisungen, Beseitigung von Zahlungsverzug und kostengünstige Sofortüberweisungen). Zahlungsinstitute, die an alternativen Finanzsystemen interessiert sind, sollten den Blockchain-Markt in Betracht ziehen, da dieser für lizenzierte Unternehmen am besten zugänglich ist. Im Falle von Transaktionen auf dem EU-Markt ist der Erwerb von PIS- und AIS-Lizenzen ratsam, da diese vielfältige Möglichkeiten bieten, aber in der aktuellen Marktpraxis noch nicht genutzt werden.
