Es kommt häufig vor, dass Computerspielfiguren verblüffend ähnlich sehen, beispielsweise Ihrem Lieblingsfußballspieler oder -schauspieler. Was sind die Hintergründe solcher Vorgehensweisen? Im heutigen Beitrag gehen wir auf die Bestimmungen zur Verwendung realer Bilder in Computerspielen ein.
Zunächst sollten wir klären, was ein Bild ist. Das polnische Wörterbuch PWN hilft dabei und definiert ein Bild als „das Abbild einer Person in einer Zeichnung, einem Gemälde, einem Foto usw.“ Auch Gerichte verwenden ein ähnliches Verständnis dieses Begriffs. Das Wort „Bild“ weckt möglicherweise Assoziationen mit dem Gesicht einer Person; dies ist jedoch eine zu enge Auslegung. Am einfachsten lässt sich ein Bild als die charakteristischen Merkmale verstehen, die eine Person von anderen unterscheiden. Dazu gehören nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch der Tonfall, charakteristische Gesten und vieles mehr.
Als Nächstes müssen wir uns mit dem wohl wichtigsten Punkt in diesem Zusammenhang befassen: der Einwilligung zur Verwendung des eigenen Bildes, oder deren Fehlen. Es gibt keine festgelegte Form der Einwilligung. Allerdings muss bei der Erteilung einer Einwilligung absolute Eindeutigkeit gewährleistet sein. Selbstverständlich steigt die Komplexität einer solchen Einwilligung proportional zum Wert des Bildes der betreffenden Person. Beispielsweise teilen weltbekannte Prominente ihre Bilder im Rahmen umfangreicher und bezahlter Verträge.
Was passiert, wenn wir keinen Kontakt zu der Person herstellen können, deren Bild wir in unserem Spiel verwenden möchten? Die Folgen können vielfältig sein, unter anderem:
- Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Bildrechtsverletzungen (z. B. könnte das Bild einer bestimmten Person verwendet worden sein, um eine Spielfigur zu erstellen, die im Spiel Straftaten begeht; dadurch entsteht ein verzerrtes Bild der Person, die, wie bereits erwähnt, einer solchen Handlung nicht zugestimmt hat);
- Probleme seitens des Spieleproduzenten. Bildstreitigkeiten können weitreichende geschäftliche Konsequenzen haben, wie beispielsweise die Notwendigkeit, das Bild einer Spielfigur zu ändern, was von potenziellen Käufern negativ aufgenommen werden könnte.
Ein interessantes Beispiel für einen solchen Fall ist die Verletzung der Bildrechte des Fußballspielers Edgar Davids. Riot Games, ein bekannter Computerspielentwickler, nutzte das Bild des Fußballers, um gegen Gebühr einen sogenannten „Skin“ für die Spielfigur zu erstellen – also eine veränderte Optik. Das Amsterdamer Gericht urteilte, dass das Aussehen der Spielfigur namens Lucian den Bildmerkmalen eines Fußballspielers entsprach, insbesondere seiner charakteristischen Frisur und Brillenform. Riot Games wurde zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt.
Ein Beispiel für eine legale und äußerst effizient durchgeführte Werbekampagne war die Verwendung des Bildes des berühmten Schauspielers Keanu Reeves in der Produktion des polnischen Spieleentwicklers CD Projekt Red, nämlich in Cyberpunk 2077 (die Figur Johnny Silverhand).
Wie funktioniert die Bildnutzung in Polen? Gemäß Artikel 81 Absatz 2 des Gesetzes vom 4. Februar 1994 über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte ist ausnahmsweise keine Genehmigung für die Verbreitung des Bildes einer bekannten Person erforderlich, wenn dieses im Zusammenhang mit der Ausübung öffentlicher Funktionen, insbesondere politischer, sozialer oder beruflicher, erstellt wurde. Diese Bestimmung ist jedoch nicht eindeutig, da jede Nutzung den jeweiligen Kontext berücksichtigen muss. Der Schutz des Bildes von Amtsträgern variiert je nach Land und dessen Rechtsvorschriften. In Polen wäre das wohl eklatanteste Beispiel die Verwendung des Bildes des polnischen Staatspräsidenten in einem Spiel, in dem dieser Handlungen begeht, die seinem Amt schaden, beispielsweise indem er sein Bild einer Figur zur Verfügung stellt, deren Ziel es ist, andere bekannte Politiker zu eliminieren. Eine solche Handlung würde auch den Tatbestand der Beleidigung des polnischen Staatspräsidenten erfüllen, der in Artikel 135 Absatz 2 des Strafgesetzbuches vom 6. Juni 1997 geregelt ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die rechtmäßige Verwendung des Bildes einer Person in einem Computerspiel vor allem deren Einwilligung erfordert. Zudem muss geklärt werden, wie die Person dargestellt wird und was die Spielfigur, die das Bild verwendet, repräsentieren soll. Die Erstellung einer entsprechenden Vereinbarung sollte Fachleuten überlassen werden. Inspiration durch das Bild einer Person ist zwar zulässig, die Grenze zwischen Inspiration und Bildnutzung ist jedoch oft fließend und unterliegt dem Ermessen des Gerichts.
Diese Mitteilung dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.
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