In den letzten Jahren hat das Konzept der Finanztechnologie (FinTech) zunehmend an Popularität gewonnen. Dieser Begriff umfasst eine Reihe moderner Technologien, die mit traditionellen Finanzdienstleistungen konkurrieren. FinTechs nutzen innovative IT-Technologien, um ihren Kunden Finanzdienstleistungen über das Internet anzubieten. Virtuelle Banken, auch Neobanken genannt, entsprechen voll und ganz der Definition von FinTech und ihre Zahl wächst jährlich. Neobanken zeichnen sich dadurch aus, dass sie ausschließlich online operieren, d. h. sie verfügen über keine Filialen oder physischen Standorte. Der Zugriff auf Bankdienstleistungen ist dank Blockchain und künstlicher Intelligenz per Computer oder Smartphone möglich. Weltweit gibt es fast 400 virtuelle Banken. In Europa ist Großbritannien in dieser Hinsicht Vorreiter; dort sind bereits über 35 solcher Institute aktiv.
Neobanken können verschiedene Formen annehmen. Einige agieren ausschließlich als Zahlungsdienstleister, unterliegen nicht den bankrechtlichen Beschränkungen und gelten daher im engeren Sinne nicht als Banken. Andere operieren mit einer Lizenz einer traditionellen Bank, die mit der Übernahme einer Neobank deren Einhaltung aller nationalen regulatorischen Anforderungen gewährleistet.
Marktforschungen zeigen, dass die Hauptnutzer von virtuellen Banken junge Menschen sind, die mit virtuellen Geldtransaktionen vertraut sind und daher keine Bedenken haben, ihr Geld einem ausschließlich online tätigen Institut anzuvertrauen. Da junge Menschen die Hauptnutzer von Neobanken sind, besteht die größte Nachfrage nach einfachen Bankprodukten wie Kontoverwaltung und dem Währungsumtausch zu günstigen Kursen. Um den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden, bieten Neobanken vorwiegend einfache Bankprodukte an, weshalb sie von traditionellen Banken derzeit möglicherweise nicht als ernsthafte Konkurrenz wahrgenommen werden.
Warum ist der Betrieb einer Neobank also profitabel?
Die Digitalisierung von Dienstleistungen führt dazu, dass die Betriebskosten von Neobanken niedriger sind als die von traditionellen Banken. Im Vergleich zu diesen haben Digitalbanken aufgrund der geringeren Infrastrukturkosten einen klaren Vorteil, da keine physischen Filialen benötigt werden. Dies reduziert zudem den Personalbedarf, was wiederum das Verhältnis von Kunden zu Mitarbeitern verbessert. Da Filialbesuche nicht mehr erforderlich sind, gewinnen Neobanken außerdem schneller und einfacher neue Kunden, da alle Formalitäten online abgewickelt werden.
Immer mehr Digitalbanken setzen auf ein Abonnementmodell. Dieses ersetzt alle Gebühren, die traditionelle Banken täglich erheben – ob Kontoführungsgebühren, Gebühren für internationale Überweisungen oder Bargeldabhebungen am Geldautomaten – durch eine einzige, feste Monatsgebühr. Über diese Abonnementgebühr hinaus fallen für Kunden keine weiteren Kosten für Transaktionen an. Erstmals in der Geschichte des Bankwesens erleben wir somit ein Mitgliedschaftsmodell (Abonnementmodell), das das traditionelle Modell ablöst, das auf Gewinnmaximierung durch geringe Gebühren für Bankgeschäfte pro Kunde basiert.
Trotz all dieser Vorteile sind Neobanken nicht so populär, wie ihre Gründer es erwartet hatten. Dies liegt am Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber der Digitalisierung des Geldes und bargeldlosen Transaktionen. Entgegen dem ersten Anschein könnten Neobanken jedoch aufgrund der sich verschärfenden Wirtschaftskrise und der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten galoppierenden Inflation nun einen regelrechten Boom erleben.
Viele potenzielle Kunden stehen Banken ohne Filialen, deren Funktionen ausschließlich per Computer oder Smartphone zugänglich sind, möglicherweise skeptisch gegenüber. Daher ist es wichtig zu wissen, dass jede in der Europäischen Union tätige Bank sowie jede virtuelle Bank mit einer herkömmlichen Banklizenz durch eine Einlagensicherung bis zu 100.000 € abgesichert ist und der Aufsicht der Europäischen Zentralbank unterliegt.
Diese Mitteilung dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.
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