Es sollte ein ganz normaler Mittwoch werden. In der Küche duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee, und die Vertriebsabteilung bereitete sich auf ihre Morgenbesprechung vor. Plötzlich klingelte es an der Tür. Mehrere Angestellte standen vor dem Eingang, jeder mit seinem Ausweis und einem dicken Ordner voller Dokumente.

„Wir sind vom Zoll- und Finanzamt. Wir haben einen Durchsuchungsbefehl.“ Ihr Herz rast, und Fragen schießen Ihnen durch den Kopf: „Was sollen wir sagen? Was sollen wir tun? Können wir uns weigern?“ Die ersten Minuten nach Eintreffen der Beamten sind entscheidend; in dieser Zeit werden Entscheidungen getroffen, die den Verlauf der gesamten Kontrolle und ihre rechtlichen Konsequenzen bestimmen können.

„Dawn Raid“ ist ein in Polen gebräuchlicher Begriff für eine unangekündigte Kontrolle (Razzia) durch staatliche Behörden oder Dienste in den Räumlichkeiten eines Unternehmens, üblicherweise frühmorgens, um das Unternehmen zu überraschen und zu verhindern, dass Beweismittel versteckt oder vernichtet werden. Der Begriff leitet sich von den englischen Wörtern „dawn“ (Morgendämmerung) und „raid“ (Überfall) ab.

Eine unangekündigte Inspektion kann für das Unternehmen Folgendes bedeuten:

  • Risiko des Verlusts oder der Offenlegung vertraulicher Daten,
  • Eine schwere Imagekrise, sollte der Fall an die Öffentlichkeit gelangen.
  • persönliche Verantwortung der Führungskräfte
  • Gefahr finanzieller Strafen
  • Stress und Verwirrung bei den Mitarbeitern.

In Polen werden solche Prüfungen unter anderem vom Amt für Wettbewerb und Verbraucherschutz (UOKiK), der polnischen Finanzaufsichtsbehörde (KNF), der Staatsanwaltschaft und Strafverfolgungsbehörden durchgeführt. Sie sind berechtigt, ohne Vorankündigung Büros, Server, Computer und Dokumente zu betreten und zu durchsuchen, sofern sie über einen Durchsuchungsbefehl oder eine entsprechende Rechtsgrundlage verfügen.

Es ist Ihre Pflicht, mitzuwirken – jedoch im Rahmen des Gesetzes.

  • Informieren Sie unverzüglich das Einsatzteam (interner Anwalt, Compliance-Beauftragter, Management).
  • Prüfen Sie die Befugnisse der Inspektoren – lassen Sie sich die Dokumente zeigen und überprüfen Sie deren Aufgabenbereich, einschließlich des Umfangs der Inspektion.
  • Benennen Sie eine Kontaktperson – nur diese kommuniziert mit der Leitstelle.
  • Begleiten Sie die Prüfer – bei der Durchsicht von Dokumenten oder Datenkopien sollte stets jemand aus dem Unternehmen anwesend sein.
  • Dokumentieren Sie den Inspektionsprozess – halten Sie fest, was getan wurde und welche Dokumente zur Verfügung gestellt wurden.
  • Materialien dürfen nicht zerstört oder versteckt werden – dies kann eine Straftat darstellen.
  • Sichern Sie Ihre elektronischen Daten.

Unternehmen mit gut geschulten Verfahren für unangekündigte Durchsuchungen reagieren ruhig und gesetzeskonform. Dies beeindruckt die Prüfer, minimiert das Fehlerrisiko und ermöglicht es ihnen, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

Eine Razzia im Morgengrauen ist keine unkontrollierte „Razzia“. In Polen ist sie nur in bestimmten Situationen und durch klar benannte Behörden zulässig. Wer die Grenzen der Befugnisse der Kontrolleure und seine eigenen Rechte kennt, kann das Missbrauchsrisiko minimieren und in einer kritischen Situation die Interessen des Unternehmens wirksam verteidigen.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar.
Der aktuelle Stand der Rechtslage ist der 13. August 2025.

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